Immer wieder wird der Wunsch von Hundehaltern, die ihre Hunde aus den unterschiedlichsten Gründen nicht ohne Leine laufen lassen können, herangetragen, ob ich nicht ein eingezäuntes großes Gelände kennen würde, wo die Hunde "mal so richtig rennen können"!
Alles unter der Rubik : " Der muss doch mal rennen!! Oder nicht? "
Meist sind es Besitzer der sogenannten Jagdhund-Rassen oder auch Hütehunde, die der Meinung sind, wenn ihr Hund nicht ab und zu so richtig Gas geben kann und über 40 oder 50 Meter vom Haltern wegrennen kann, sei er nicht glücklich. Gleichzeitig ist das "an der Leine laufen" für diese Menschen schon negativ behaftet und sie glauben, der Hund habe so keinen Spaß.
Erst einmal sei hier an dieser Stelle erwähnt, das es zwar durchaus sportliche Menschen in unserer Spezies gibt, die mehrmals die Woche 10 km und mehr joggen, oder auch Marathons laufen, jedoch wage ich mal zu bezweifeln das es nicht zwangsläufig so ist, das die Nicht-Läufer nun alle unausgelastet und unglücklich sind.
Und auch Hunde MÜSSEN NICHT
30, 50 oder 100 mtr. rennen, bis Ihnen die Zunge aus dem Hals hängt um glücklich zu sein. Und was der Halter meist als "jetzt sieht er aber glücklich aus" empfindet, ist oftmals nur ein sogenanntes "Stressgesicht" ; hervorgerufen durch den erhöhten Stresslevel, oder ein Beutefangverhalten aus der Jagdsequenz. Nicht selten rennt der Hund auf einer Hundewiese im wahrsten Sinne des Wortes um sein Leben, wenn der Mensch mal wieder glaubt die Hunde spielen grad so schön. Auch Hunde bewegen sich normalerweise sehr energiesparend und dazu zählt unsinnige Rennerei nicht, meist auch noch als Rennspiel deklariert. Doch das hat weder etwas mit artgerechter Auslastung noch mit Spiel zu tun!!!!!
Beschäftigung geht auch anders!!!!
Glücklich ist ein Hund, wenn er gemeinsame Dinge mit seinem Menschen erlebt. Durch die Nähe und die Kompetenz seines Menschen Sicherheit erfährt. Das kann er aber nicht, wenn er allein seiner Wege geht. Immer wieder sehe ich Menschen, die Ihren Hund im Wald oder auf dem Feld ableinen und auch noch das Kommando "Jetzt lauf!!!" geben und mit einer wegscheuchenden Handbewegung den Hund in den Freilauf schicken. Als ob es zwei Arten von Spaziergänge gibt - einer an der Leine, nah beim Menschen und einen ohne Leine, aber auch weg vom Menschen. Zwei Individuen, die im Freilauf scheinbar nichts miteinander zu tun haben und jeder seiner Wege geht.
Das Ganze bedeutet leider nichts Gutes für den Hund und auch nicht für den Halter, denn ein Hund, der einfach so freiläuft, selbst wenn er in Sichtweite ist, ist im Alleingang unterwegs. Alle Erfahrungen, die er dann macht, macht er ohne seinen Menschen. Egal ob es etwas Positives ist, wie weggeworfene Leckereien hinunterschlingen, Rehe oder Hasen jagen, nette Hundebegegnungen treffen, läufige Hündinnen decken, aber auch all die negativen und schlechten Erfahrungen, wie unliebsame Begegnungen mit nicht so freundlichen Hunden, in eine Beißerei zu geraten, von anderen Haltern verscheucht oder vom Jäger erschossen zu werden, vors Auto zu laufen, etc.
Dies alles erlebt der Hund dann ohne seinen Menschen!!!!
Keiner, mit dem er die schönen Erlebnisse teilen kann, aber auch keiner, der ihn vor schlechten Erlebnissen schützt.
Keiner, der ihm zeigt, wie man sich in unangenehmen oder gefährlichen Situationen verhält.
Weil der Mensch viel zu weit weg ist, wenn der Hund "nur mal rennen muss"!!!
Dabei muss der Hund noch nicht einmal weit weg oder außer Sichtweite sein. Es genügt, wenn er allein, ohne das Interesse seines Halters im Gras schnüffelt. Der Mensch führt ihn in diesem Falle nicht, er lenkt nicht, und erzieht nicht. Niemand da, der ihm hilft und Halt gibt. Mit dem Klicken der Leine auf sich allein gestellt.
Für die Beziehung heißt das beide Sozialpartner sind füreinander gerade bedeutungslos.
Der Hund kann auf seinen Menschen nicht zählen in solcher Art von Freilauf. Der Halter spielt keine Rolle bei den Erlebnissen des Hundes, nicht bei den Schönen und Interessanten, aber erst recht nicht bei den Brenzligen.
Für den Hund heißt das,
sein Mensch sorgt nicht für seine Sicherheit.
Abgabe von Verantwortung auf die der Hund sich aber verlassen können muss!!!!
Ist solch ein Freilauf wirklich soooo toll für Hunde?
Ist er als soziales Tier wirklich sooo glücklich, allein auf weiter Flur?
Was macht es mit der Bindung? Wird so Vertrauen gestärkt?
Hört er dadurch besser oder geht er dadurch besser an der Leine? (wie mir Kunden immer und immer wieder erzählen wollen).
Nein! Solch ein Freilauf ist eigentlich eher schlecht für die Beziehung, da dort nichts Gemeinsames ist!!!!
Besser wäre es für die Bindung, gemeinsam mit seinem Hund Abenteuer zu erleben. Auch gemeinsam "Beute jagen" in Form eines echten Rennspiels mit seinem Menschen ist ein Riesenspass für Hunde. Sein Vertrauen in seinen Menschen täglich zu festigen , Talente kontrolliert und sicher auszuleben, gemeinsam Schnüffelstellen zu erkunden, all das stärkt die Beziehung. Und wenn dann einmal der böse Nachbarshund laut bellend im Freilauf angerannt kommt, dann ist Herrchen oder Frauchen in der Nähe und schlägt ihn in die Flucht.
Wow.....was ein Team!!!!
Es geht prinzipiell gar nicht darum den Hund niemals von der Leine zu lassen, aber es geht darum Halter zu sensibilisieren Freilauf verantwortungsvoll zu gestalten und sicher aufzubauen. Und das erreicht man eben nicht, je öfter man einfach den Karabiner von der Leine klickt und den Hund sich selbst überlässt, sondern das geschieht
an der Leine!
Weil wir nun mal langsamer sind als unsere Hunde , wir so die Kontrolle behalten , für Sicherheit sorgen können und so eine verantwortungsvolle Beziehung zu unserem Hund aufbauen. So macht auch die Leine Erziehung erst möglich, die wiederum für einen kontrollierten Freilauf nötig ist. Auch Welpen lernen an der Leine sich am Menschen zu orientieren, aber eben auch von ihm kontrolliert zu werden.
Viele Halter lassen ihre Welpen, und selbst noch den Junghund ständig freilaufen, und freuen sich ihm diese vermeintliche Freiheit zu gönnen.
Ein gefährlicher Trugschluss!
Das geschieht oft aus Unwissenheit, nicht automatisch mit schlechter Absicht.
Vielleicht auch aus Bequemlichkeit, weil er Hundi ja auch so doll an der Leine zieht, wenn man wenig bis gar keinen Wert auf eine gut erlernte Leinenführung gelegt hat.
Sie lassen ihren Hund so jedoch ins offene Messer laufen, ohne es zu merken. Und wenn der Jungspund in die Flegelphase kommt und sich ausprobiert, wird aus dem niedlichen Fellknäuel ein Rowdy, eine Plage für alle.
Machen Sie es besser, denn Freilauf bedeutet Verantwortung, nicht Freiheit!!!